Das Richtungsding

Das Richtungsding ist eine halbjährlich erscheinende Zeitschrift für Literatur. Verankert in der literarischen Szene des Ruhrgebiets bildet die Redaktion seit 2010 in Lesungen, Aktionen und in Heftform die Vielfalt zeitgenössischen Schreibens ab.

Die Redaktion auf der Premiere des Themenhefts "Norden"

Die Redaktion auf der Premiere des Themenhefts „Norden“


Eine kurze Heftgeschichte

Enthusiasmus und Größenwahn
Im Kulturhauptstadtjahr 2010 lernten sich Harald Gerhäußer und Jan-Paul Laarmann beim Kunstprojekt „2-3 Straßen“ kennen, für das sie gemeinsam mit rund 20 anderen Menschen in ein Mülheimer Hochhaus zogen. Der ambitionierte Jungschriftsteller Harald Gerhäußer und Jan-Paul Laarmann, Mitglied einer losen Gruppe von Autoren an der Universität Duisburg-Essen, wollten eigentlich nur einen Sammelband mit Texten ihrer Bekannten herausbringen. Doch Enthusiasmus traf auf ein wenig Größenwahn und ließ aus dem Sammelband für Kurzprosa und Lyrik die Behauptung einer Zeitschrift werden, und aus der Premierenlesung eine hemdsärmelig-sympathsiches Publikumspreis-Format in der Zeche Scherlebeck in Herten. Erste Preisträgerin: Julia Sandforth.

V.l.n.r. Harald Gerhäußer, Fabian Wolbing, Jan-Paul Laarmann, Jasamin Ulfat.

V.l.n.r. Harald Gerhäußer, Fabian Wolbing, Jan-Paul Laarmann und  Jasamin Ulfat bei der ersten Klagenfurter Richtungsding-Lesung..

Unprojekt der Kulturhauptstadt
Das nach einem Versprecher kurzerhand von Dichtungsring zu Richtungsding umbenannte Projekt stieß im Kulturhauptstadtjahr in ein literarisches Vakuum: Das offizielle Programm hatte außer Formaten des Literaturbüros Ruhr für etablierte Autoren und performativer Slamkunst wenig zu bieten. Als „Unprojekt“ brachte das Richtungsding ein gutes Dutzend Veranstaltungen von literarischen Friseursalons, Hochhausflur-Lesungen und Buchhandlungsausflügen über das obligatorische Volksfestlesen auf der A40 bis hin zur offiziellen Ruhr.2010-Abschlussfeier auf Zeche Zollverein über die Bühne. Mit der Premiere des zweiten Hefts mit über 100 Besuchern fand das Richtungsding seine Heimat im Ringlokschuppen Ruhr. Erster Preisträger dort: Niklas Hebing.

In die Zeitschriften-Routine
Fortan stemmten die beiden Herausgeber das Projekt in halbjährlicher Erscheinungsweise und weiter ohne Gewinninteresse. Sie besuchten Branchentreffen wie den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt und die Frankfurter Buchmesse und sie brachten Richtungsding-preisgekürte Debüts von Fabian Wolbring, Corinna Gerhards und Sarah Meyer-Dietrich heraus. Das Projekt wuchs, die Einsendungen kamen inzwischen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

V.l.n.r. Lina Brünig, Fabian May, Benjamin Bäder, Markus Behr, Jan-Paul Laarmann, Sarah Meyer-Dietrich

V.l.n.r. Lina Brünig, Fabian May, Benjamin Bäder, Markus Behr, Jan-Paul Laarmann, Sarah Meyer-Dietrich

Ein neues Team übernimmt
Ende 2012 entschied Harald Gerhäußer, sich verstärkt seinem eigenem Schreiben zu widmen. Seitdem liegt die Verantwortung für Heft und neue Aktionen bei Jan-Paul Laarmann (Hg.) und fünf Redakteuren aus dem Kreis der Richtungsding-Autoren: Benjamin Bäder, Markus Behr, Lina Brünig, Jan-Paul Laarmann, Sarah Meyer-Dietrich, Fabian May bilden das Team, der Redaktionssitz ist programmatisch passend das Unperfekthaus Essen. Nach dem Richtungsding VI (Preisträger: Christof Wolf) brachten sie gemeinsam mit dem Projekt „Kunst schafft Stadt“ der Zeche Carl das ersten Themenheft „Norden“ (Preisträger: Tobias Steinfeld) heraus. Premiere wurde mit über 140 Besuchern in der Zeche gefeiert. Von dieser Resonanz beflügelt arbeitet die Richtungsding-Redaktion inzwischen als eingetragener Verein kontinuierlich an neuen Projekten.